BARF

Biologisch Artgerechte Rohfütterung

Nährstoffverteilung, Supplemente und Risiken der Rohfütterung, fundiert und praxisnah.

Bones And Raw Food

BARF auf einen Blick

BARF steht für Biologisch Artgerechte Rohfütterung beziehungsweise Bones And Raw Food. Gefüttert werden rohe Fleisch-, Knochen- und Pflanzenanteile ohne industrielle Verarbeitung.

Prinzip

Rohe Beute-Anteile

Fleisch, Knochen und Pflanzenanteile ohne industrielle Verarbeitung, orientiert an der natürlichen Beute von Caniden und Feliden.

Verbreitung in Deutschland

10 – 15 % / 5 – 8 %

So viele Hunde- beziehungsweise Katzenhalter barfen (Stand 2024), Tendenz steigend.

Anspruch

Kein Anfänger-Thema

Ohne berechnete Ration und Supplemente ist BARF unausgewogen. Bei Welpen ist tierärztliche Begleitung Pflicht.

Vier Komponenten, ein Verhältnis

Nährstoffverteilung, Hund

Die vier Komponenten einer BARF-Ration für den Hund mit Anteil an der Tagesration, geeigneten Quellen und dem jeweils wichtigsten Hinweis.
Komponente Anteil Quellen Worauf es ankommt
Fleisch mit Knochen 50 – 60 % Rind mit Knochen, Hähnchen (ganz), Pute, Lamm, Kaninchen Verhältnis Fleisch zu Knochen 70:30 bis 80:20. Knochen liefern Kalzium und Phosphor, zu viele führen zu Verstopfung.
Pansen & Innereien 15 – 20 % Grüner Pansen (ungewaschen), weisser Pansen, Lunge, Leber (max. 5 %), Niere (max. 5 %) Pansen liefert Vitamine, Enzyme und Bakterien. Leber ist wichtig, aber nie überdosieren, Vitamin-A-Toxizität.
Gemüse & Obst 15 – 20 % Zucchini, Brokkoli, Karotte, Süsskartoffel, Kürbis Muss püriert oder fein geraspelt sein. Hunde schliessen pflanzliche Zellulose nicht auf, sonst bleibt nur Ballaststoff ohne Nährwert.
Öle & Supplemente 5 – 10 % Lachsöl (Omega-3), Hanföl, Olivenöl, Bierhefe, Eierschalenpulver Ohne Supplemente ist BARF unausgewogen. Kritisch sind Kalzium, Jod, Vitamin D und Zink.

Anteile beziehen sich auf die Tagesration in Gramm, nicht auf Kalorien.

Mehr Fleisch, kein Gemüse

Nährstoffverteilung, Katze

Die drei Komponenten einer BARF-Ration für die Katze mit Anteil an der Tagesration, geeigneten Quellen und dem jeweils wichtigsten Hinweis.
Komponente Anteil Quellen Worauf es ankommt
Fleisch mit Knochen 70 – 80 % Hähnchenhals, Hähnchenfleisch, ganze Mäuse, Rind, Pute Katzen brauchen deutlich mehr Fleisch als Hunde. Gemüse ist nicht nötig, in der Natur fressen sie nur den Mageninhalt der Beute.
Innereien 10 – 15 % Herz (taurinreich), Leber (max. 5 %), Niere, Lunge Herz ist die wichtigste Taurin-Quelle. Taurinmangel ist das Hauptrisiko bei BARF-Katzen, mindestens 10 % Herz oder zusätzlich supplementieren.
Supplemente Pflicht Taurin (500 – 1.000 mg/Tag), Lachsöl, Vitamin-B-Komplex, Eierschalenpulver, Vitamin E BARF bei Katzen ist anspruchsvoller als bei Hunden. Taurin, Vitamin E und B-Komplex sind zwingend.

Katzen sind strikte Fleischfresser. Eine Ration ohne Taurin ist bei ihnen kein Qualitätsmangel, sondern ein Gesundheitsrisiko.

Zwei durchgerechnete Tiere

Rechenbeispiele

Zwei Rechenbeispiele für die Tagesration: Kalorienbedarf, Futtermenge in Gramm und als Anteil des Körpergewichts sowie die Tageskosten.
Tier Kalorienbedarf Futtermenge Anteil Kosten je Tag
Hund, 15 kg erwachsen, normale Aktivität ca. 850 kcal 300 – 450 g 2 – 3 % KG 3,00 – 5,00 €
Katze, 4 kg erwachsen, normale Aktivität ca. 240 kcal 80 – 160 g 2 – 4 % KG 2,00 – 4,00 €

Gerechnet nach dem Ruheenergiebedarf (RER = 70 × Körpergewicht0,75), beim Hund mit Aktivitätsfaktor 1,6, bei der Katze mit 1,2. KG = Körpergewicht.

Vier, die nicht fehlen dürfen

Essenzielle Supplemente

Die vier essenziellen Supplemente mit Dosierung für Hund und Katze sowie ihrem Zweck.
Supplement Hund Katze Wofür
Kalzium Algenkalk, Eierschalenpulver 1 – 2 g je 500 g Fleisch 0,5 – 1 g je 250 g Fleisch Kalziumversorgung bei Rationen ohne Knochen
Taurin für Katzen zwingend – 500 – 1.000 mg/Tag Schutz vor DCM und Netzhautdegeneration
Omega-3-Öl Lachsöl, Hanföl 1 TL je 10 kg Körpergewicht 0,5 TL/Tag Entzündungshemmend, Haut, Fell, Gelenke
Seealgen z. B. Ascophyllum nodosum 1 – 2 g/Tag 0,5 g/Tag Jod und Spurenelemente

Dosierungen sind Orientierungswerte. Die verbindliche Menge ergibt sich aus der berechneten Ration und dem Blutbild deines Tieres.

7 vermeidbare Fehler

Risiken beim BARFen

Kalzium-Phosphor-Ungleichgewicht

Ohne Knochen oder Kalzium-Supplement entsteht ein lebensgefährlicher Mangel (sekundärer Hyperparathyreoidismus), bei Welpen mit bleibenden Schäden.

Vorbeugen: Kalziumbedarf berechnen und supplementieren. Bei Welpen tierärztlich begleiten.

Bakterielle Kontamination

Rohes Fleisch trägt Salmonellen, Campylobacter, Listerien und E. coli. Gesunde Tiere tolerieren mehr als Menschen, Welpen, Senioren und immungeschwächte Tiere nicht.

Vorbeugen: Fleisch frisch oder tiefgekühlt, Hände waschen, Flächen desinfizieren, eigenes Fleischfach.

Knochenverletzungen

Gekochte Knochen splittern und können Speiseröhre, Magen oder Darm durchstossen. Auch rohe Knochen führen zu Zahnbrüchen oder Verstopfung.

Vorbeugen: Nur rohe Knochen, keine langen Röhrenknochen, keine schweren Markknochen. Grösse ans Tier anpassen.

Taurinmangel bei Katzen

Taurin ist wasserlöslich und geht bei Verarbeitung und Lagerung verloren. Herz allein deckt den Bedarf oft nicht, die Folge sind DCM und Erblindung.

Vorbeugen: Zusätzlich supplementieren (500 – 1.000 mg/Tag) und den Blutspiegel kontrollieren lassen.

Vitamin D, Mangel und Überdosierung

In Fleisch kommt Vitamin D kaum vor. Zu wenig bedeutet Rachitis, zu viel, meist durch Supplemente, bedeutet Kalzinose.

Vorbeugen: Gehalt der Ration kontrollieren, Lebertran sparsam, Algenpräparate mitrechnen.

Thiaminase im rohen Fisch

Roher Fisch enthält Thiaminase und zerstört damit Vitamin B1. Regelmässig gefüttert führt das zu Thiaminmangel.

Vorbeugen: Fisch kochen oder tiefkühlen. Roh höchstens ein- bis zweimal pro Woche.

Aujeszky-Virus im Schweinefleisch

Rohes Schweine- und besonders Wildschweinfleisch kann den Aujeszky-Virus tragen, für Hund und Katze fast immer tödlich. Deutschland gilt als frei, das Wildschwein-Risiko bleibt.

Vorbeugen: Schweinefleisch immer durchgaren. Kein rohes Wildschwein.

Acht Sätze statt einer Liste

Die Grundregeln

Immer

4 Pflichten, die BARF sicher machen

  • Ration berechnen lassen, Kalzium, Jod, Vitamin D und (bei Katzen) Taurin gehören dazu.
  • Jährliche Blutkontrolle: Kalzium, Phosphor, Albumin, Harnstoff, bei Katzen Taurin.
  • Küchenhygiene: eigenes Fleischfach, Flächen desinfizieren, Kreuzkontamination vermeiden.
  • Bei Beschwerden zum Tierarzt und den BARF-Plan überprüfen lassen.

Nie

4 Fehler mit bleibenden Folgen

  • Ohne Supplemente barfen, eine reine Fleischration ist immer unausgewogen.
  • Welpen und Junghunde ohne tierärztliche Berechnung barfen, Wachstumsschäden bleiben.
  • Schweinefleisch roh füttern und gekochte Knochen geben.
  • BARF für selbstverständlich besser halten als hochwertiges Alleinfutter, es entscheidet die Zusammenstellung.
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